Brief aus Berlin: “Soziales Brainstorming” – über ein Projekt der Ars Electronica

Wer wie ich immer auf der Suche nach Projekten ist, in denen der kreative Dialog eine Rolle spielt, der wird in dieser Ausstellung fündig. “Wovon Maschinen träumen” heisst das Projekt der Ars Electronica, dem Forschungs-, Kunst- und Technologiecenter der Stadt Linz. Im Automobilforum des VW-Konzerns  zeigt Ars Electronica Installationen internationaler Medienkünstler. Eindrucksvoll demonstrieren die Objekte unseren heutigen Anspruch an die Rolle von Maschinen: Maschinen dienen, Maschinen befreien uns, Maschinen besitzen soziale Kompetenzen.

Soziales Brainstorming

Da es aber doch immer noch Menschen sind, die träumen, darf ich in der Ausstellung meinen ganz persönlichen Wünschen und Träumen Ausdruck verleihen. Dazu stelle ich mich vor eine Schattenwand, lasse ein Schattenbild von mir fotografieren und als Miniaturaufkleber ausdrucken. Den Aufkleber beschrifte ich mit meinem Wunsch. Statement und Haltung der Silhouette ergeben meine ganz individuelle Botschaft, die ich auf eine große Pinnwand zu den Wünschen und Träumen der übrigen Besucher klebe. Das Ergebnis ist eine Landkarte mit Wünschen und Träumen aller Ausstellungsbesucher, die an diesem “sozialen Brainstorming” teilgenommen haben.

Soziale Maschine

Landkarte der Wünsche und Träume aller Besucher

“Lebendig werden”, Ausschnitt der Pinnwand mit dem Wunsch eines Besuchers
Alle Fotos: © Briefschreiber.name

Ausstellung der Ars Electronica “Wovon Maschinen träumen“, vom 07.07. bis 28.08.2011, im Automobilforum des VW-Konzerns, Unter den Linden, Berlin

 

PR-Instrument Liebesbrief: So kommt ein kreativer Dialog in Gang

Für Andreas

Gerade Großunternehmen versuchen heute, ihren Marken durch emotionale Werbung mehr Kraft zu verleihen, um so Krisen entgegenzusteuern. Die Bemühungen gipfeln in Claims wie: Deutsche Bank – Leistung aus Leidenschaft, Mac Donald’s – Ich liebe es, Campari – Red passion. Was passiert, wenn Unternehmen 1. auf eindirektionale Leistungsdemonstrationen verzichten und sich 2. zur medialen Vermittlung großer Gefühle für einfache Briefbotschaften auf Papier entscheiden? Deutsche Post und Museum of Modern Art (MoMa) machen vor, wie man einen kreativen Dialog initiiert:

HA Schult und Deutsche Post: Die größte Liebesskulptur der Welt
Am 03. Juli 2001 rufen Deutsche Post und Konzeptkünstler H.A. Schult in einer Pressekonferenz alle Menschen in Deutschland dazu auf, Liebesbriefe zu verfassen. „… Ich bitte Sie, einen Brief zu schreiben, wie Sie ihn schon immer im Herzen getragen haben. Erklären Sie sich darin in Liebe zu den Ihnen nächsten oder entferntesten Menschen … Träumen Sie in Worten….“ Das Ziel: Die größte Liebesskulptur der Welt schaffen. Millionen Briefschreiber kommen dem Aufruf nach. Wenige Monate später ist das alte Postfuhramt in Berlin Mitte von Liebesbriefen umhüllt. Über 2 Millionen Besucher kommen in das zwischen der Synagoge und dem Tacheles gelegene Gebäude, allein 90.000 waten durch das “Meer der Liebe” im Inneren des Postamts.

Love-Letter-Aktion

Bild 1: Werbebrief zur Love-Letter-Aktion

Museum of Modern Art: Love is in the Air
Im April 2011 bittet das MoMa in New York seine Besucher um ihre ganz persönlichen Geschichten. Es geht um Liebe: neue Liebe, lebenslange Liebe, verlorene Liebe, Liebe zur Kunst, auch die Liebe für das MoMA. Die Aktion findet ein überwältigendes Echo. Tausende Besucher haben bereits ihre Geschichten auf die vorbereiteten Zettel geschrieben, die an einer riesigen Wand für alle sichtbar aufgehängt wurden. Zwei Geschichten von der Wand sehen Sie unten.

Große Liebe

Bild 2: Große Liebe Picasso
Bild 3: Auf der Suche nach Liebe
MoMa Weblog